Samstag, 7. Januar 2012

DA MUSS 'WAS SEiN

Wanderer, wo kommst du her?
Wo willst du hin?
Abgekämpft und leichenblass
Humpelst du durch Schnee und Eis
Selbst im Sommer willst nicht ruhen
Auf grüner Aue, das Meer im Blick

Wanderer, wo kommst du her?
Wo willst du hin?
Deine Augen fahl - nur noch im Zurück
Und Vorwärts gerichtet
Erblickst nicht mal den Vogel am Weg
Die Blume, die sich aus dem Eise kämpft

Wanderer, wo kommst du her?
Wo willst du hin?
"Das weiß ich nicht", sagst du und zitterst weiter
An mir vorbei und rufst von weitem herüber:
"Auf den Hügel und dahinter, muss es sein.
Da muss 'was sein, sonst hätte mein Weg
Keinen Sinn."

Wanderer, wo kommst du her?
Wo willst du hin?
Der Abend senkt sich
Und ein tief empfundener Wunsch im Herzen
nährt den Gedanken
Aufzustehen und zu wandern
Doch der Schlaf kriecht langsam ins Gemüt
Werde schläfrig, wenn die Angst am Größten ist

So schaue ich lang hinein
In die tiefe Nacht.


(c) Thomas Szymczak 24.12.2011

GEFANGEN

Gefangen in meiner Traurigkeit,
die meine Augen hemmt
zu sehen

Gefangen in meiner Seele,
die sich ihrer Funken
nicht mehr besinnt

Gefangen in meinem Geist
der sich wie im Kreis
um den Tod dreht

Gefangen in meinem Körper,
der jede Anstrengung
ausschlägt

Gefangen in mir,
dem das Leben
abhanden gekommen ist

Gefangen in einer Welt,
die nur Gewinner
und Verlierer kennt

Gefangen in meiner Einsamkeit,
die mir eine Insel ist -
ein Ort der Sinnlichkeit

Frei in meiner Sehnsucht,
die mir Zuflucht,
Heimat ist.


(c) Thomas Szymczak 30.12.2011

ALLEiN iN MEiNEM KOPF

Allein in meinem Kopf
Mein Atem riecht nach Fisch
Hasenfuß zum Frühstück
Pickel zu Mittag
Abends nur kalte Platte
Wer war ich nochmal?
Suche meinen Namen
Hinten links gabs Geschenke
Habs verpasst
Missgeschick im Kampfanzug
Blaue Flecken müssen geschminkt werden
Wie die Wahrheit
Die Welt hält nur durch Lügen

(c) Thomas Szymczak 5.1.2012

Freitag, 25. März 2011

RiGiPS - Essay

Ich sitze im Dunkeln. Es ist zehn Uhr vormittag. Die Vorhänge sind zugezogen. Die Leinwand hängt davor an nur zwei leichten Haken, die sehr bald nachgeben werden. Vermutlich stürzt dann die ganze Decke mit ein.

Ich sitze im Dunkeln und stelle mir das noch nicht passierte Schauspiel in Gedanken vor. Noch hält es. Noch.

Ich sitze im Dunkeln und sehe dieses Deckenleinwandproblem als Motto meines Lebens. Wie lange hält es noch? Wann reißt der Lebensfaden?

Hoffnung habe ich keine mehr, dass sich grundlegend was ändert. Zu sicher bin ich in der Haltung, dass mein Leben kein Happy End bereit hält.

Vor ein paar Wochen schien alles noch so glücklich, so gut zu sein. Ich hatte mir vorgenommen, nach langer Krankheit, meine Wohnung, in der ich schon seit zwölf Jahren auf Miete wohne wieder anzunehmen. Ich machte Dinge die ich mir in meinem bisherigen Leben nicht zutraute. Ich renovierte die Bude. Ich riss den stinkigen alten Teppich aus meinem Wohn - und Kinozimmer, schliff den alten verranzten Holzboden auf und machte ihn mit Fugenkitt begehbar. Anschließend lasierte ich ihn und kaufte nur einen kleinen weißen Teppich, worauf die Couch stehen sollte. Das Geld für die Couch muß ich mir noch sparen, deshalb kaufte ich mir eine billige Luftcouch. Aufblasen fertig. Ideal für Leute die nicht wissen ob sie an einem Ort bleiben oder nicht. Einfach wieder zusammenklappen, im Handgepäck verstaut, und weiter gehts.

Nun ist alles fertig. Das Luftsofa steht auf seinem Platz. Der Boden ringsrum ist klasse anzusehen, die Akustik für meine vier großen Lautsprecher ist phänomenal. Meine Anlage klingt fantastisch. Die zwei Fenster, gestrichen, sind mit einem großen schwarzen Vorhang zugehangen. Eine riesige Leinwand gibt den Blick frei in eine aufprojezierte Welt, extra für mich da, um dieser realen Welt zu entfliehen.

Das alles steht seit zwei Monaten aber die Decke, an der die Leinwand hängt, ist leider nur aus Rigips, was ich erst durch das Bohren in die Decke herausfand, und sie wird nicht lange daran bleiben. Verschlimmbesserungen führten dazu, dass sie noch wackliger hängt. Ein Auf- und Abrollen kommt somit nicht mehr in Frage. Also auf oder abgerollt. Ich entschied mich für die geschlossenen und verdeckten Fenster; für das Aufmachen der Leinwand, mein Fenster zur inneren Welt.

Die Sonne scheint, das sehe ich durch den Vorhang. Was geht mich das an? Die Welt da draußen ist nicht für mich gemacht.

Vor zwei Wochen, als mein Zimmer stand, verkrachte ich mich mit meinem Chef. Ich jobbe nebenbei in einem Sexladen, ohne den ich nichts verdienen würde. Meine eigentliche Berufung ist die Kunst, aber ehrlicherweise ist die Kunst nicht dazu da, warmes Essen oder die Miete zu erwirtschaften. Alle Kunst muß frei von solchen weltlichen Dingen sein, und da ich die Wahrheit mehr liebe als die Lüge, ist meine Kunst brotlos. Sie erwirtschaftet nichts. Ich hasse es zu verkaufen. Und mich verkaufen kann ich schon gleich doppelt nicht.

Da bleibt einem nichts anderes übrig als einen dummen Job anzunehmen wo man leicht an Kohle rankommt ohne sich groß anzustrengen. Nun hat mein Chef natürlich den Ehrgeiz besonders viel aus seinem Laden zu holen, und deshalb passe ich nicht mehr ins Konzept und mir wurde nahe gelegt, dass ich gehen soll. Mutig wie ich war verließ ich meinen Arbeitsplatz mir nicht Dir nichts und bereue es jetzt.

Ich sitze im Dunkeln und warte auf eine sms oder Anruf meines Chefs, meine Antwort darauf, ob ich heute abend wieder im verhassten Job arbeiten zu dürfen.

Ich dachte ich sei frei, aber als ich mich umsah nach anderen Jobs, kam mir der den ich hatte so simpel und so passend vor. Und in anderen Jobs wird wirklich was verlangt. Dabei will ich heute gar nicht vor die Tür. Alles Fremde erscheint mir feindlich.

Überhaupt ist mein ganzes Wesen sehr zurückgezogen durch die letzten Tage. Und eines weiß ich ganz genau: Ich werde nicht glücklich.

Nichts auf dieser Welt, dass ich erlebte hat mich mit Glück gefüllt. Die Liebe die ich manchmal spüren durfte, und mit der das Leben einen Sinn erfüllte, durfte ich nur einseitig vergeuden.

Mir fällt heute und jetzt kein einziger Grund ein, um dieses Leben, das am-Leben-bleiben weiterzuführen.

Selbst das Ziel in meiner Freizeit mich mit Beamer und großer Leinwand und guter Filme der Welt den Rücken zu kehren, klappt nicht. Nägel und Wand, ganz reale Dinge halten mich von meinem nahen Glück an und sagen mir, dass auch sie gegen mich sind.

Mein Geld reicht noch für ein paar Tage. meine Miete habe ich seit zwei Monaten nicht  mehr gezahlt. Bald ist alles ausgereizt und ich bringe nicht mal die Kosten für meine Verbrennung auf.

Einen Sinn für mein lächerliches Dasein sah ich immer in der Kunst. Nur meine Kunst besteht darin über mich zu sprechen. Aber wer will mein Schicksal hören? Wer interessiert sich für einen Looser, der noch nicht mal existieren kann, geschweige denn Bücher, Bilder und Stücke zu veröffentlichen? Und wer interessiert sich für den Stoff, der mich kaputmacht? Wen kümmert ein sinnloses Menschenleben wie meines?

Wo doch jeder sich eher ablenkt, vom Tod und vom Versagen nichts wissen will. Ich mach ja selbiges, flüchten in eine Filmwelt... weit weg von diesem kalten unsinnigen Gewirr von Überleben und Lebenserhaltung.

Wenn ich doch um den Erhalt eines kleinen Glücks, Filme ansehen, so kämpfen muß, dass ich lügen und mich verbiegen muß, wie hoch ist denn noch der Preis für dieses Leben? Und was erhalte ich dafür? Immer weiterkämpfen. Jeden Tag erkämpfen um weiter zu existieren, vegetieren zu können?

Das wird wohl das Leben sein...

Dabei ist meine Fantasie viel enormer und großartiger als das was mir mein Leben bietet, zeigt, zur Verfügung stellt. Schön wäre es meine Fantasie mitzunehmen. Mitzunehmen in die Dunkelheit.

Ich fürchte mich allein im Dunkeln. Doch will ich allein sein. Allein mit mir.

Nun bleibt mir nichts anderes übrig als abzuwarten. Ist man mal eine unüberwindlich scheinende Grenze überschritten, schreitet man über nächste schon mit leichterem Herzen.

Einen Abschiedsbrief werde ich wohl nicht schreiben. Ich rate jedem sich von diesem Terror schnellstens zu verabschieden. Ich werde mein Glück im Dunkel finden.

"Dunkel ist das Leben, dunkel ist der Tod." (Gustav Mahler)

Ich beneide Menschen, die die Helligkeit suchen, in Ihr existieren können und wollen.

Freitag, 18. März 2011

Auf dem Balkon


Es war der vierte Stock. Ich stand auf dem Balkon. Die Sonne versuchte hinter den dunklen schweren grauen Wolken zu blinzeln. Es war sehr windig, aber nicht kalt. Freunde waren im anschließenden Raum. Sie sprachen über Themen die mich nicht interessierten. Ich sah drei Möwen zu, die versuchten sich in der Höhe des Balkons in der Luft zu halten. Sie glitten und brauchten viel Kraft sich gegen den Wind zu stellen. Dabei blies er ihre Gefieder kreuz und quer. Man sah die Anstrengung den Tieren an, die versuchten sich gegen den Strom in der Luft zu halten, zu schweben, nicht runter gedrückt oder einfach weg geweht zu werden.

Sozusagen stand ich neben den Vögeln und betrachtete ihren Kampf. Hätte ich versucht hinüberzugreifen, hätte ich sie wahrscheinlich nicht berührt, aber weit schwebten sie nicht von mir. Der Abstand betrug nur zwei, höchstens drei Meter. Und je mehr ich sie ansah, mich hinein fühlte in den Flug, dem Schweben der Vögel, dem Kampf mit dem Wind, desto mehr verlor ich das Gefühl für den Boden, um so unsicherer wurde ich. Es war zweifellos sehr tief.

Auch die Vögel sahen mich an. Alle drei schwebten neben mir, drehten den Kopf und sahen mich an. Fast schon forderten sie mich auf, es ihnen gleich zu tun.

Vor allem eine Möwe, mit einem dunklen Kopf und hellen aufgeregt schauenden Augen warf sich immer entschiedener gegen den Wind und versuchte so nah wie möglich an mich heran zu kommen.

Ich hörte auf nach unten zu starren und fixierte mich nur noch auf die Möwe, breitete meine Arme aus und stellte mich gegen den Wind. Ich schwankte und verlagerte die Kraft genauso so wie mein gefiederter Freund. Ich verlor zunehmend den Halt. Auch mein Bewusstsein streikte. Immer mehr leere Stellen waren in meinem Blick. Ich sah Löcher, Löcher ins Nichts. Konnte mir aussuchen in welches ich mich fallen lassen wollte. Einfach fallen lassen.

Helle Freude überkam mich. In jeder meiner Pore entdeckte ich intensives Leben. Ich war berauscht vom Fliegen. Plötzlich empfand ich das Leben wunderschön. Ich empfand mich wunderschön. Ich sah der Möwe in die Augen. Sie blinzelte mir zu. Immer näher kam ich der Möwe.

Hinter mir wurde es immer lauter, aber auch immer fahler. Was kümmert mich die Welt wenn ich doch fliegen kann?

Unter großem Geschrei hob ich mich in die Luft. Ich sprang der Möwe förmlich entgegen, die sichtlich überascht war. So spürte ich den harten entgegenkommenden Wind umso stärker. Ich lehnte mich ihm entgegen, wie ich es von den Möwen vorher gelernt habe. Ich flog.

Ich genoß den Wind der mir in das Gesicht schnitt und mich kaum die Augen aufmachen ließ. Ich war frei.